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Hannes Niederhausen

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Der Untergang von Atlantis

Loren rannte und die Meute schreiend hinter ihm her. Er wusste, wenn er weiter so lief, würde er das Meer erreichen und in das salzige Wasser springen. Würde er untergehen oder darauf treiben? Wenn er all den Schwarzsehern Glauben schenkte, wohl Letzteres.

Er schaute nach hinten, bemerkte, wie jemand etwas warf und duckte sich noch rechtzeitig, sodass der Speer über seinen Kopf rauschte. Diese verfluchten Spinner! Er hatte ihnen doch nur gutes und billiges Salz verkaufen wollen!

»Zu billig darf es nicht werden«, rief Mareen.

Loren stimmte zu. Zu fünft saßen sie in einer dunklen Kammer von Lorens Taverne. Der Goldene Atlantianer war eine seiner Nebeneinkünfte, das meiste Geld machte er mit dem Abbau von Salz, dem weißen Gold auf dem Festland.

»Was sollen wir nur tun? Die Maschinen können wir nicht ständig abschalten, das würde sie nur zerstören.«

»Außerdem können wir nicht einfach die Logistik herunterfahren. Wir haben Schiffe gekauft, Seemänner angeheuert, die müssen arbeiten.«

Das war Jush. Er vertrat die Logistiker. Das war das ganze Problem. Sie hatten sich ein Geflecht von stetig wachsenden Elementen zusammengeknotet und nun kamen sie da nicht mehr heraus. Doch während die Logistiker immer mehr Geld wollten, die Maschinen immer größer wurden, um mehr Salz abzubauen, wurde das Salz hier auf Atlantis immer billiger.

»Dann bleibt uns nichts anderes übrig, wir müssen das Salz ins Meer schütten«, sagte Loren. Die anderen nickten und so war es bestimmt. Sie ahnten ja nicht, welche Auswirkungen das auf die Natur haben würde.

Loren konnte das Salz schon riechen. Es öffnete seine Nase, entspannte seine strapazierten Lungen. Was hatten sie denn nur? Doch hinter ihm schrien die Menschen nach seinem Blut.

Er bog nach rechts ab in eine dunkle Gasse. Links und rechts von ihm ragten die vier- bis achtstöckigen kupfernen Gebäude auf. Er liebte es, wie die Fassaden im Sonnenlicht glänzten. Manchmal so stark, dass er eine Sonnenbrille tragen musste. Heute konnte er den famosen Anblick nicht genießen. Heute musste er um sein Leben rennen.

 Der Hafen war nicht weit, seine Taverne damit auch nicht, doch würde er sie noch rechtzeitig erreichen? Würden seine Angestellten ihn schützen? Wieder flog etwas an ihm vorbei. Er machte sich nicht die Mühe zurückzusehen, wollte gar nicht wissen, wie nah der Mob ihm schon gekommen war. Er rannte einfach weiter.

Wie lange konnte er ihnen noch entkommen? Loren war nicht unsportlich, er hatte jeden Tag seine Pflicht seinem Körper gegenüber erfüllt. Doch so hatten es sicher auch seine Verfolger getan.

Er spürte, wie sich ein leises Stechen in seiner linken Seite ausbreitete.

»Nein, noch nicht!« Er musste nur die Taverne erreichen. Dann hörte er das erste Mal ein metallisches Quietschen, als würde die Stadt selbst seine Verfolger anfeuern.

»Wir müssen aufhören«, sagte Mareen.

Er war der Einzige, der den Wissenschaftlern glauben schenkte, sie würden die Meere versalzen.

»Sei kein Narr«, sagte Jush. »Wir können nicht aufhören, die Preise würden in den Boden stürzen.«

»Dann müssen wir die Produktion stoppen.«

Loren nickte, doch es war keine Zustimmung, er überlegte. »Und wer sagt dann den Seemännern, dass sie keine Arbeit mehr haben. Dass sie sich Salz nicht mehr leisten können. Den Kammerzofen, den kleinen Händler. Niemand wird sich das Salz mehr leisten können, wenn wir die Produktion einschränken. Die Kosten wären exorbitant und ohne den großen Absatz würden unsere Gewinne ebenfalls sinken. Willst du das Mareen?«

Der Salzhändler schüttelte den Kopf. Aber ganz aufgeben wollte er nicht. »Dann lasst uns darauf einigen, dass wir die Produktion nicht weiter erhöhen.«

»Das höre ich nicht gern«, sagte Sveja. Er vertrat die Gilde der Maschinenbauer. »Wenn ihr die Produktion nicht herunterfahrt, müsst ihr mehr Maschinen einfordern. Das war die Abmachung!«

Loren nickte, diesmal zustimmend. Wenn sie die Maschinen ständig hoch- und herunter führen, wären sie anfälliger für Schäden und damit das Einkommen der Maschinenbauer durch Reparaturen gesichert. Liefen die Maschinen aber immer auf Hochtouren, hielten sie deutlich länger ohne Reparatur durch und das Ende ihrer Lebensdauer wäre deutlich sicherer zu bestimmen. Doch die Maschinenbauer wollten mehr verdienen, also hatten die Salzhändler ausgemacht, einfach mehr Maschinen zu kaufen. Diese sollten dann auch benutzt werden.

Loren wollte lieber mehr Salz abbauen, als dass die Maschinen zu unbestimmter Zeit ihre Arbeit einstellten.

»Das ist doch Wahnsinn!«, sagte Mareen.

»Wahnsinn wäre, seinen Fisch nicht mehr salzen zu können«, erwiderte Jush.

»Was? Welche Fische denn. Wir versalzen die Meere, die Fische sterben! Wenn wir so weiter machen, gibt es bald keine Fische mehr, die wir salzen können.«

Mareen glaubte den Unsinn der Wissenschaftler wirklich. Loren seufzte. »Hör zu. Es ist allseits bekannt, dass das Süßwasser der Meere über die Jahre salziger wird. Niemand hier bestreitet das. Doch das bisschen Salz, dass wir in das Wasser schütten macht doch keinen großen Unterschied.«

Mareen schüttelte den Kopf. »Ihr seht es nicht, oder? Unsere Kinder kommen mit roten Augen aus dem Wasser. Das war vor zehn Jahren noch nicht so. Wir sind die Ursache dafür.«

»Papperlapapp«, widersprach Jush. »Das ist doch alles nur Altweibergeschwätz.«

»Ist es nicht!« Mareen verschränkte die Arme vor die Brust wie ein bockiges kleines Kind.

»So kommen wir nicht weiter«, sagte Loren. »Wir haben letztendlich auch keine Wahl. Es geht um den Wohlstand der Gesellschaft. Das können wir wegen so ein bisschen Panikmache doch nicht aufs Spiel setzen.«

Mareen schwieg, die anderen nickten zustimmend. Damit war die siebte jährliche Sitzung der Salzhändler beendet. Es würde die Letzte sein.

Nur noch wenige Meter, dann hatte er die Taverne erreicht. Beim Abbiegen schaute er panisch nach hinten. Irgendetwas hatte die Meute aufgehalten, sie waren kaum noch zu sehen. Aber was?

Das Blut rauschte in seinen Ohren, doch jetzt, wo der Mob die Verfolgung aufgegeben hatte, hörte er das Kreischen der Stadt selbst besser. Es klang, als würde die Stadt unter ihrem Gewicht ächzen.

Er rannte wieder los, in der Taverne würde er sicher sein, würde Zeit haben zu denken. An der nächsten Kreuzung erreichte er die Promenade. Das Meer rauschte, die Luft roch angenehm salzig. Es war gar nicht schlecht, dachte Loren.

Er schaute sich um und atmete erleichtert aus. Niemand war zu sehen. Das Meer spülte gegen den metallenen Steg. Loren ging auf ihn zu. Fünfzig Meter weiter stand die Taverne. Er hatte erwartet, den Hintereingang nehmen zu müssen, doch auch dort wartete niemand auf ihn. Es war nahezu unheimlich. Wo waren die Menschen so plötzlich?

Am Horizont sah Loren die Schiffe, die mehr Salz brachten, immer mehr Salz. Doch bald würden sie die Produktion herunterfahren müssen. Es war heutzutage einfach nicht mehr tragbar.

Wieder hörte er das Ächzen.

Er hatte den Steg erreicht, musterte die kupferfarbene Legierung, die in Atlantis so vorherrschend war. Schwarze Flecken stachen ihm ins Auge. Es war, als würde der Pfeiler schimmeln.

Loren schüttelte den Kopf. Das war doch Unsinn. Atlantis war auf dem haltbarsten Metall gebaut, das auf dieser Erde existierte. Nichts konnte ihm etwas anhaben, das hatten die Ahnen sichergestellt. So hatte er es als junger Atlantianer in der Schule gelernt.

Er ging weiter, schaute noch einmal zurück ohne stehenzubleiben. Stillstand ist der Tod, dachte er.

Er erreichte die Taverne. Jush wartete an der Tür und bedeutete ihm, einzutreten. »Schnell, schnell.«

Loren sah gar keinen Grund zur Eile.

»Was hast du denn?«, fragte Loren. »Die sind doch weg.«

Die Salzhändler waren alle hier und sie alle sahen besorgt aus.

»Hast du den Steg gesehen?«, fragte Sveja.

Loren nickte.

Wieder hörte er das ächzende Metall und so langsam kam ihm ein Verdacht.

»Die Ahnen haben die Haltbarkeit der Pfeiler für alle möglichen Vorkommnisse überprüft«, sagte der Maschinenbauer. »Wir Mechaniker sichern alles ab.«

»Was ist das dann?«, fragte Jush und hielt den Finger in die Luft. Kurz darauf ächzte das Metall erneut.

»Das Salz«, sagte Mareen entgeistert und Sveja nickte.

»Das kann nicht sein«, widersprach Loren. Wegen des bisschen Salzes, dass sie in die Meere geschüttet hatten, würde doch die Stadt nicht untergehen! Das wäre doch absurd!

Plötzlich wurde aus dem Knarzen des Metalls ein Kreischen. Die Händler hielten sich die Ohren zu, es war kaum auszuhalten. Der ebene Boden sackte nach unten. Loren verlor das Gleichgewicht und fiel, rollte auf den Eingang der Taverne zu und krachte mit der Schulter dagegen.

Er schrie vor Schmerzen, doch niemand würde ihm zu Hilfe eilen, denn die anderen lagen ebenfalls und hielten sich die Ohren zu. Das Metall schien keine Ruhe mehr zu geben.

Wasser kroch unter die Tür hindurch und als Loren es an seinem Hemd spürte, wurde ihm bewusst, was sie wirklich getan hatten.

Atlantis ging unter.

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Traumwandler

Neugierig? Hier habt ihr den Klappentext:
Noch 5 Sekunden und das Flugzeug zerschellt auf dem Boden. Richard Lose starrt entsetzt in die Augen des Attentäters und weiß, dass er sterben wird.

Dann wacht er auf.
Zum Glück war der Absturz nur ein Traum … denkt Richard. Bis er die Aufnahmen sieht: Er steht am Gate und betritt das Flugzeug. Alles ist real.

Auch der Attentäter ist am Leben. Nachdem dieser Richards Mutter ermordet, setzt Richard alles daran, ihn aufzuhalten. Doch der Mörder ist ein Traumwandler und seinen wahren Körper zu finden, ist nahezu unmöglich.

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