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Hannes Niederhausen

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Das Geheimnis der Hundesitterin

Das ist mein Beitrag zur ClueWriting-Blogparade. Mehr Informationen findet Ihr hier: http://www.cluewriting.de/die-zweite-clue-writing-blogparade/

 

Als es an der Tür klopfte, hatte ich gehofft, es wäre der Postbote. Ich stolperte über eine kleine Kiste im Flur, die ich noch in mein Zimmer räumen sollte, und öffnete die Tür, vor der sich zu meiner Enttäuschung eine alte Frau befand.

»Hallo, meine Kleine. Wer bist du denn?«

»Sophie«, sagte ich, bevor ich mich wieder erinnerte, dass ich mit Fremden ja gar nicht sprechen sollte.

»Ist denn deine Mama oder dein Papa da?«

»Meine Mama ist im Himmel«, erklärte ich und fühlte Papas Hand auf meiner Schulter. Die Frau stellte sich als Mrs. Reggins vor und überreichte uns Salz und Brot. Sie wollte auch gar nicht weiter stören und ging wieder. Auf der Treppe drehte sie sich doch noch einmal um und sagte: »Sophie, du musst mich unbedingt mal besuchen kommen. Ich muss dir den kleinen Carl vorstellen.« Ich nickte, schloss langsam die Tür und packte weiter meine Kisten aus.

Papa hatte mein Bett aufgebaut und nun war es Zeit, meine Plüschtiere zu positionieren – meist Hunde in allen Farben und Formen – als es erneut klingelte. Auch diesmal rannte ich zur Tür. Endlich! Es war der Postbote und Papa ließ mich sogar unterschreiben. Da war es nun!

»Dein erstes Buch in der neuen Wohnung. Und das nächste Mal gehen wir auch wieder in die Buchhandlung, versprochen.«

Ich nickte geistesabwesend, während ich meinen neusten Schatz aus dem Umschlag holte: »Das Geheimnis der Hundesitterin«.

Der Postbote drehte sich um und stieß beinahe mit einer Frau zusammen, die von ihrem Hund die Treppe heraufgezogen wurde.

So traf ich das erste Mal Ms. Kinding und ihren Hund William (ich nannte ihn später nur noch Willi und ich glaube, das mochte er lieber). Ms. Kinding murmelte eine Begrüßung und verschwand in der Wohnung neben uns. Ich konnte noch hören, wie sie Willi sagte, er solle endlich ruhig sein. Sie brauchte endlich mal Ruhe.

Ich rannte in mein Zimmer und stolperte dabei erneut über den Karton, den ich schon lange weggeräumt haben sollte. Papa sah mich mit hochgezogenen Brauen an. Ich legte das Buch beiseite und packte schnell die Bücher aus dem Karton. Dann nahm ich das Buch und warf mich auf das Bett und las zum hundertsten Mal die Geschichte von Maggie, der Hundesitterin, die verlorene Gegenstände wiederfand. Ihr Geheimnis war, dass sie mit den Hunden reden konnte und die Tiere wussten immer, wo ihr Frauchen oder Herrchen die Sachen hinlegten.

Nur wenige Wochen später war ich die Hundesitterin für Willi und Carl, dem kleinen Chihuahua von Mrs. Reggins. Carl und Willi konnten sich nicht leiden und so musste ich die Tage abwechselnd mit jeweils einem der beiden eine Runde laufen oder im Park spielen. Das Beste war, ich verdiente mein Taschengeld mit einer Sache, dich ich liebte.

Eines Tages klingelte ich bei Ms. Kinding. Sie öffnete mir die Tür und bat mich herein. Im Flur herrschte das blanke Chaos vor der großen Standuhr. »Willi hat wieder einmal die Komode im Schlafzimmer ausgeräumt«, erklärte mir Ms. Kinding. Dabei sah sie ihn böse an. Ich rief Willi zu mir und der Hund gehorchte sofort.

»Wirklich, Sophie, wie machst du das nur? Als Kind war ich auch Hundesitterin, aber irgendwie habe ich den Draht verloren.«

»Vielleicht sollten sie mehr mit ihm spielen, Ms. Kinding.« Noch während ich sprach, wusste ich, dass ich wieder vorlaut war, und setzte meinen entschuldigenden Blick auf.

»Du hast ja Recht. Aber ich hab so viel zu tun und auf der Arbeit geht es auch nicht so gut. Ach, was erzähle ich dir das. Viel Spaß euch beiden.« Ich nickte, nahm Willi an die Leine und wir spazierten los.

»Morgen musst du aber mit Frauchen spielen«, sagte ich zu Willi, als wir eine Stunde später wieder das Treppenhaus hochgingen. »Ich habe dann nämlich den kleinen Carl. Ich wünschte, ihr beiden würdet euch vertragen.«

»Das wünschte ich auch«, sagte Ms. Kinding, die in der Zwischenzeit die Wohnung aufgeräumt hatte. Sie gab mir meine fünf Dollar und ich ging, mich bedankend, in meine eigene Wohnung.

Ich hatte wieder Geld für ein neues Buch. Jetzt musste Papa nur Zeit für mich haben. Doch der saß schon wieder mit Kopfhörern am Computer. Seine Finger schwebten über der Tastatur, als suchten sie die Worte, die sie tippen sollten. Das machte Papa immer, wenn er in seinen Geschichten nicht mehr weiter wusste und ich ließ ihn in dieser Zeit alleine. Ich war stolz auf mich, dass ich wusste, wann ich Papa arbeiten lassen sollte. Schon als ich noch kleiner war, konnte er immer die Tür offen lassen, sodass ich sah, was er tat, ohne ihn zu stören.

Ich legte mich auf mein Bett und überlegte mir, ob es schon ein neues Buch über Maggie, die Hundesitterin, gab. Vielleicht sollte ich mal die Finger über die Tastatur fliegen lassen und eins schreiben. Ich kam schließlich nach den Ferien in die fünfte Klasse!

Am nächsten Tag ging ich zu Mrs. Reggins, um Carl abzuholen.

»Hallo Sophie«, begrüßte mich die alte Frau und Carl rannte kläffend auf mich zu und ungeduldig um meine Beine herum. »Komm doch herein, ich backe gerade Kekse.«

Mrs. Reggins Kekse waren die Besten! Doch sie beschäftigte sich nicht nur mit Keksen, wie ich feststellte. Auf dem Tisch lag ein aufgeschlagenes Fotoalbum, und während ich in meiner Hand einen heißen Keks jonglierte, sah ich mir die Bilder an. Sie zeigten eine junge Mrs. Reggins in einem Abendkleid. Die alte Frau legte eine Hand auf meine Schulter und lächelte mich an. »Da war ich noch jung und schön.«

Ich sah zu ihr herauf und antwortete: »Aber sie sind doch immer noch schön.«

Dankend sah sie mich an und ich sah zurück auf die Fotos. Die junge Frau trug eine Halskette, goldene Bänder waren wie um ihren Hals geflochten und unten war ein roter Stein eingesetzt.

»Eine schöne Kette, nicht wahr?«, fragte mich Mrs. Reggins. Ich nickte. »Komm! Ich möchte wissen, ob sie dir auch steht.«

Mein Herz schlug schneller bei dem Gedanken ein so schönes Schmuckstück tragen zu dürfen. Ich war doch nur hier, um mit dem Hund auszugehen. Mrs. Reggins verschwand und schrie kurz darauf auf.

Schnell rannte ich in das Wohnzimmer, aus Angst, Mrs Reggins hätte sich etwas getan, doch die stand starr da und schaute in eine Holzschatulle. Ich folgte ihrem Blick und bemerkte, dass die Kiste leer war.

»Meine Kette, sie ist weg«, stotterte Mrs. Reggins und ich schluckte einen Kloß im Hals herunter. Maggie würde jetzt Fragen stellen. Aber welche? Wie war das noch einmal? Ich ermahnte mich zur Ruhe und überlegte.

»Wann haben Sie die Kette das letzte Mal gesehen?«, fragte ich und versuchte, so ruhig wie möglich zu klingen. Mrs. Reggins schüttelte langsam den Kopf. »Ich weiß es nicht genau. Es ist schon lange her.«

»Wer wusste denn noch von der Kette.«

»Ich weiß es nicht, mein Kind. Ich glaube, es ist besser, du gehst jetzt mit Carl in den Park.«

Langsam klappte sie die Schatulle zu und stellte sie in den Schrank. Ich hatte noch mehr Fragen, aber ich wusste, Mrs. Reggins würde sie mir nicht beantworten. Also ging ich traurig mit Carl spazieren. Das war das erste Mal, dass mir meine Arbeit keinen Spaß machte.

Es fiel mir schwer, am nächsten Tag zu Willi zu gehen. Ms. Kinding hatte mir eine Stunde zuvor ihren Wohnungsschlüssel gegeben, da sie einen Termin hatte. Ich seufzte, als ich die Unordnung im Flur sah. Willi rannte um mich herum und wedelte mit dem Schwanz. Ich begann einzelne Sachen aufzuheben, doch Willi schubste mich immer wieder, sodass ich ihn letztendlich an die große Standuhr band. Ich klemmte mir zwei Hosen und eine Bluse unter dem Arm und nahm noch die beiden T-Shirts in die Hand, die alle auf den Boden des Schlafzimmers fielen, als ich mir mit beiden Händen die Hand vor dem Mund hielt. Hinter mir jaulte Willi – er mochte es nicht, festgebunden zu sein – und vor mir, lag Mrs. Reggins Halskette. Sie musste in der Kommode versteckt gewesen sein und Willi hatte sie gefunden und mir gezeigt.

Wie Maggie hatte ich nun einen Fall gelöst. Langsam trat ich auf die Kette zu und beugte mich vor. Ich wollte sie anfassen, doch dann fiel mir wieder ein, dass man bei Diebesgut keine Fingerabdrücke hinterlassen sollte. Ich nahm eines der T-Shirts und hob es vorsichtig an, als Ms. Kindings Stimme durch den Raum hallte.

»Was machst du da?«

Ich zuckte zusammen, drehte mich langsam um und sah in die wütenden Augen von Ms. Kinding. Ich schluckte, hielt die Kette hoch und fragte mit krächzender Stimme: »Warum?«

»Was weißt du schon. Du kannst von 5 Dollar die Woche leben, ich kann das nicht.«

»Aber …«

»Aber was? Mrs. Reggins braucht die Kette nicht. Wann hat sie sie denn das letzte Mal getragen oder gar angesehen. Auf der Schatulle war eine dicke Staubschicht.«

»Aber einfach stehlen! Das geht doch nicht.«

Sie seufzte und nickte mit dem Kopf. Ich glaubte, sie stimmte mir zu, doch wie sich herausstellte, überlegte sie, was sie mit mir nun anstellen sollte.

Ms. Kinding ging in die Küche, während ich immer noch wie angewurzelt dastand. Ich war traurig und enttäuscht. Tränen kullerten meine Wangen herunter, doch die Trauer wich dem Entsetzten, als Ms. Kinding plötzlich mit einem Messer vor mir stand. Ich schrie und Willi bellte. Mein Papa würde bestimmt gleich kommen!

Ms. Kinding kam langsam auf mich zu, Willi sprang, die Leine spannte sich und dann geschah es. Wie in Zeitlupe sah ich, wie die Standuhr kippte, direkt auf Ms. Kinding zu. Sie drehte sich um und schrie Willi an, er solle endlich Ruhe geben, dann sah sie nach oben. Sie riss die Arme hoch, doch sie konnte die Uhr nicht halten und beide stürzten zu Boden.

Ich rannte an Ms. Kinding vorbei und holte meinen Papa, der vor dem Computer saß. Wir riefen die Polizei und ich ging zu Mrs. Reggins, um ihr alles zu erzählen. Leider durfte ich ihr die Halskette nicht übergeben – Beweismittel. Das war bei Maggie, der Hundesitterin anders. Aber stolz war ich trotzdem. Ich hatte meinen ersten Fall gelöst. Es sollten später noch viel mehr werden.

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Traumwandler

Neugierig? Hier habt ihr den Klappentext:
Noch 5 Sekunden und das Flugzeug zerschellt auf dem Boden. Richard Lose starrt entsetzt in die Augen des Attentäters und weiß, dass er sterben wird.

Dann wacht er auf.
Zum Glück war der Absturz nur ein Traum … denkt Richard. Bis er die Aufnahmen sieht: Er steht am Gate und betritt das Flugzeug. Alles ist real.

Auch der Attentäter ist am Leben. Nachdem dieser Richards Mutter ermordet, setzt Richard alles daran, ihn aufzuhalten. Doch der Mörder ist ein Traumwandler und seinen wahren Körper zu finden, ist nahezu unmöglich.

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